Estrogene bzw. estrogenhaltige orale Kontrazeptiva

Betroffene Wirkstoffe und Arzneimittel

Wirkstoffname Handelsname Betroffene Mikronährstoffe
Ethinylestradiol/Gestoden Gynovin
Harmonette
Vitamin B6
Vitamin B2
Folsäure
Magnesium
Vitamin C
Melatonin
 
Ethinylestradiol/Desogestrel Liberel
Mercilon
Ethinylestradiol/Levonorgestrel Loette
Madonella

Mechanismus der Wechselwirkung

Mechanismus der Wechselwirkung
Vitamin B6 Orale Kontrazeptiva lassen den Vitamin-B6-Spiegel abfallen. Dies ist auf einen gestörten Tryptophanhaushalt zurückzuführen, der wiederum durch eine verminderte Aktivität der pyridoxalphosphatabhängigen Kynureninase entsteht.
Vitamin B2 Durch langfristige Einnahme von oralen Kontrazeptiva wird die Glutathionreduktaseaktivität der Erythrozyten gesenkt. Somit kommt es zu einem Riboflavinspiegelabfall.
Folsäure Einerseits wird die renale Folsäureextraktion gesteigert, andererseits die Bioverfügbarkeit von Nahrungsfolaten gesenkt. Dies entsteht durch eine Hemmung der Folsäuredekonjugase.
Magnesium Magnesium lagert sich bei Einnahme von oralen Kontrazeptiva vermehrt im Gewebe und Knochen ein und wird renal erhöht ausgeschieden. Somit wird der Calcium-/Magnesiumquotient erhöht und Nebenwirkungen wie Embolien während einer Hormontherapie werden begünstigt.
Vitamin C

Die oxidative Metabolisierung von Vitamin C steigt wahrscheinlich durch den oral kontrazeptivabhängigen Anstieg von Kupfer. Das Enzym Coeruloplasmin beeinflusst kupferabhängig als Ferroxidase einerseits die Oxidation von Fe2+ zu Fe3+ sowie andererseits die Oxidation von Ascorbinsäure zu Dehydroascorbinsäure. Außerdem kommt es zu einer Steigerung des Vitamin-C-Abbaus und der Vitamin-C-Exkretion.

Melatonin Orale Kontrazeptiva und Hormontherapien mit Östrogen sind in der Lage die Metabolisierung von Cytochrom P450-Enzymen zu hemmen, das in einem erhöhten Melatonin-Spiegel resultieren kann.

Folgen und mögliche Symptome der Wechselwirkung

Negative Folgen der Interaktion Mögliche Symptome
Vitamin B6 Abfall des Vitamin-B6-Spiegels
  • Reizbarkeit, nervöse und depressive Verstimmung, Schlaflosigkeit
  • Hyperhomocysteinämie, hypochrome mikrozytäre Anämie
  • Dermatitis, Glossitis, Stomatitis, Cheilosis
  • Paresen, Ataxien (durch Störungen im Glutamatstoffwechsel), periphere Neuropathie, Demyelinisierungen, Sensibilitätsstörungen, epileptiforme Krämpfe, Tremor
  • Immundepression
  • Muskelatrophie und -schwäche
Vitamin B2 Abfall des Vitamin-B2-Spiegels
  • Rötung und Schuppung der Haut, seborrhoische Dermatitis, Glossitis, Mundwinkelrhagaden
  • Muskelschwäche, Fatigue, periphere Neuropathien
  • Keratitis, Lichtempfindlichkeit, Vaskularisierung der Cornea
  • Normochrome normozytäre Anämie, Hyperhomocysteinämie
  • Folsäure
  Abfall des Folsäurespiegels
  • Anorexie, Blässe, Depressionen, Schwäche, Vergesslichkeit
  • Risiko von Neuralrohrdefekten während der Schwangerschaft
  • Beeinträchtigung der Erythropoese und Entstehung einer perniziösen Anämie, Thrombozytopenie, Leukopenie, Hyperhomocysteinämie
  • Erhöhtes Schlaganfallrisiko durch Anstieg von Homocystein im Blut
  • Erhöhtes Risiko für Demenzerkrankungen und Polyneuropathien
  • Glossitis, Stomatitis, Schleimhautatrophie im GIT und Urogenitaltrakt
Magnesium Abfall des Magnesiumspiegels
  • Unruhe, Angstzustände, geringe Stresstoleranz
  • Arrhythmien, Extrasystolen, Tachykardien, Hypertension, Durchblutungsstörungen
  • Muskelkrämpfe, Muskelzuckungen, Taubheit, Kribbeln, Parästhesien
  • Depressionen, Verstimmungen, Konzentrationsstörungen, migräneartige Kopfschmerzen, Schlafstörungen
  • Hypokalzämie, Hypokaliämie
  • Störung des Vitamin-D3-Stoffwechsels
Vitamin C Abfall des Vitamin-C-Spiegels
  • Müdigkeit, Leistungsschwäche
  • Hypochrome mikrozytäre Anämie, Thrombozytopenie, Granulozytopenie, erhöhte Blutungsneigung
  • Infektanfälligkeit
  • Parodontopathien, Gingivitis, Zahnfleischbluten
  • Erhöhtes Risiko für radikalassoziierte Erkrankungen
Melatonin Anstieg des Melatonin-Spiegels Schlafprobleme und gestörter Tag-Nacht-Zyklus
Antriebslosigkeit und Depressionen

Besondere Informationen

PilloVit B6-Studie von Biogena: Vitamin-B6-Status und psychisches Wohlbefinden

Verwenderinnen von oralen Kontrazeptiva klagen häufig über Reizbarkeit, Nervosität und depressive Verstimmungen. Auch schätzen die Verwenderinnen „der Pille“ ihren allgemeinen Zustand und ihr psychisches Wohlbefinden deutlich schlechter ein als Frauen im Allgemeinen. Durch die dreimonatige Verwendung von PilloVit Bverbesserten sich die gesundheitliche Selbsteinschätzung und das psychische Wohlbefinden. In einer dreimonatigen doppeltverblindeten, randomisierten und placebokontrollierten Studie konnte mit nutriFEM PilloVit B6 zudem eine signifikante Verschiebung der B6-Werte in das obere Drittel des Referenzspektrums (23,7 – 63,0 μg/l) bei gleichzeitiger Steigerung der Serotoninwerte erzielt werden. Hierbei konnte eine zweiseitige Korrelation zwischen den Vitamin-B6-Werten und dem psychischen Wohlbefinden aufgezeigt werden .

Hier können Sie die Studie im Detail aufrufen:

Studie_NutrifemPillovit

Empfohlene Supplementierung

Arzneistoff Empfohlene Supplementierung Dosierung
Orale Kontrazeptiva Vitamin B6 5–25 mg/d p.o.
Vitamin B2 10 mg/d p.o.
Folsäure 0,4-1 mg/d p.o.
Magnesium 200-300 mg/d p.o.
Vitamin C 200-500 mg/d p.o.

Besondere Einnahmehinweise

Einnahmemodus
Vitamin B6 Es sollte immer eine Kombination mit Folsäure und Vitamin B12 empfohlen werden.
Vitamin B2 Es sollte immer eine Kombination mit Folsäure, Vitamin B6 und Vitamin B12 empfohlen werden.
Folsäure Negative Auswirkungen können bis zu einem halben Jahr nach Absetzen der Pille andauern, daher empfiehlt sich eine längere Supplementierung (v.a. bei Kinderwunsch).

Referenzen

Referenzen

Adams, P. W. et al. 1976. Influence of oral contraceptives, pyridoxine (vitamin B6), and tryptophan on carbohydrate metabolism. Lancet. 1(7963):759-64.
Circadin. 2 mg-Retardtabletten (Februar 2019). Gebrauchsinformation: Information für Patienten. Paris: RAD Neurim Pharmaceuticals EEC SARL.
Gröber, U. Mikronährstoffe: Metabolic Tuning –Prävention –Therapie, 3. Auflage. Stuttgart: WVG Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 2011.
Gröber, U. Arzneimittel und Mikronährstoffe: Medikationsorientierte Supplementierung, 3. aktualisierte und erweiterte Auflage. Stuttgart: WVG Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 2014.
Lussana, F. et al. 2003. Blood levels of homocysteine, folate, vitamin B6 and B12 in women using oral contraceptives compared to non-users. Thromb Res. 112(1-2):37-41. McArthur, J. O. et al. 2013. Biological variability and impact of oral contraceptives on vitamins B(6), B(12) and folate status in women of reproductive age. Nutrients. 5(9):3634-45. doi: 10.3390/nu5093634.
Newman, L. J. et al. 1978. Riboflavin deficiency in women taking oral contraceptive agents. Am J Clin Nutr. 31(2):247-9.
Olatunbosun, D. A. et al. 1974. Effect of oral contraceptives on Serum magnesium levels. Int J Fertil. 19(4):224-6.
Seelig, M. S. 1993. Interrelationship of magnesium and estrogen in cardiovascular and bone disorders, eclampsia, migraine and premenstrual syndrome. J Am Coll Nutr. 12(4):442-58. doi: 10.1080/07315724.1993.10718335.
Stargrove, M. B. et al. Herb, Nutrient and Drug Interactions: Clinical Implications and Therapeutic Strategies, 1. Auflage. St. Louis, Missouri: Elsevier Health Sciences, 2008.
Wynn, V. 1975. Vitamins and oral contraceptive use. Lancet. 1(7906):561-4.
Zamah, N. M. et al. 1993. Absence of an effect of high vitamin C dosage on the systemic availability of ethinyl estradiol in women using a combination oral contraceptive. Contraception. 48(4):377-91.

nach oben