Antituberkulotika

Betroffene Wirkstoffe und Arzneimittel

Wirkstoffname Handelsname Betroffene Mikronährstoffe
Isoniazid  INH“Agepha“, Rifoldin Vitamin D
Vitamin A
Zink
 
Rifampicin Rifoldin
Pyrazinamid Pyrafat
Ethambutol Etibi

Mechanismus der Wechselwirkung

Mechanismus der Wechselwirkung
Vitamin D Durch die Gabe von Vitamin D kommt es zu einer erhöhten Phagozytoserate und einer Differenzierung von Monozyten zu Makrophagen. Der Calcitriol-VDR-Komplex fördert die Bildung des mikrobiziden Cathelicidin LL-37, das wiederum die Zellwand des Mycobacterium tuberculosis zerstört und somit zu dessen Zelltod führt.
Isoniazid: Es kommt bei der Medikation mit Isoniazid zu einem Vitamin-D-Mangel, da es die hepatische Hydroxylierung von Cholecalciferol zu Calcidiol hemmt.
Rifampicin: Der Abbau und die Metabolisierung von Vitamin D in der Leber werden durch Rifampicin beschleunigt.
Vitamin A/Zink Neben einem Vitamin-D-Mangel weisen Patienten mit Tuberkulose sehr oft einen Mangel an Vitamin A und Zink auf. Durch seine immunoprotektive Eigenschaft kann Vitamin A die Wirksamkeit von Antituberkulotika verbessern. Zink schafft dies durch die Beeinträchtigung des humoralen und zellulären Immunsystems. Weiters führt ein Zinkmangel zu einer Störung im Vitamin-A-Haushalt.
Vitamin B6 Unter Bildung einer Schiff’schen Base vermindert Isoniazid die Bildung des aktiven Pyridoxal-5-Phosphats. Somit kommt es zu einem Vitamin-B6-Mangel.
Niacin Die beschriebene Vitamin-B6-Reaktion beeinflusst alle weiteren Reaktionen des Tryptophanstoffwechsels. Die zur Niacinsynthese notwendige Cholinsäure wird weniger gebildet und somit kommt es zu einem sekundären Niacinmangel.
Zink Bei Einnahme von Ethambutol kommt es durch Chelatbildung mit Zink und Kupfer zur Störung in deren Haushalt. Es kann unter anderem zu zinkinduzierten Sehstörungen kommen (Schleiersehen).
Melatonin Die Einnahme von CYP1A2-Induktoren können zu einer Reduktion der Plasmakonzentration von Melatonin führen.

Folgen und mögliche Symptome der Wechselwirkung

Negative Folgen der Interaktion Mögliche Symptome
Vitamin D Abfall des Vitamin-D-Spiegels
  • Müdigkeit, Schwäche, Schlafstörungen
  • Infektanfälligkeit
  • Abnahme der Knochendichte, Rachitis, Osteopenie; bei Kindern: Rachitis mit Skelettdeformationen, Wirbelsäulendeformationen, Verzögerung des Milchzahndurchbruches
  • Kalzifizierung der Gefäße des Herz-Kreislauf-Systems, Herzmuskelschwäche
  • Anstieg der alkalischen Phosphatase im Blut, ungenügende Calcium- und Phosphatresorption
  • EKG-Veränderungen, tetanische Muskelspasmen (Pfötchenstellung von Händen und Füßen); bei Kindern: erhöhte Schreckhaftigkeit und Reizbarkeit
  • Verminderte Insulinsekretion und erhöhtes Risiko für Typ-1-Diabetes
  • Fertilitätsstörungen
Vitamin A/Zink Abfall des Vitamin- A- und Zinkspiegels
  • Schwächung der Immunkompetenz
  • Steigerung der Infektanfälligkeit
  • Erhöhte bakterielle Anhaftung am Bronchialepithel
Vitamin B6 Abfall des Vitamin- B6-Spiegels
  • Reizbarkeit, nervöse und depressive Verstimmung, Schlaflosigkeit
  • Hyperhomocysteinämie, hypochrome mikrozytäre Anämie
  • Dermatitis, Glossitis, Stomatitis, Cheilosis
  • Paresen, Ataxien (durch Störungen im Glutamatstoffwechsel)
  • periphere Neuropathie, Demyelinisierungen, Sensibilitätsstörungen, epileptiforme Krämpfe, Tremor
  • Immundepression, Muskelatrophie und -schwäche
Niacin Abfall des Niacinspiegels
  • Erschöpfung, Gedächtnisstörungen, Muskelschwäche, Schlafstörungen
  • Enzephalopathien (Tremor, Rigor, spastische Paresen)
  • Infektanfälligkeit
  • Glossitis, Mundwinkelrhagaden, Entzündungen des Ösophagus und GIT
  • Rissige, schuppige Haut, starke Pigmentierung, verstärkte Verhornung, Pellagra (Dermatitis, Diarrhoe, Demenz)
Melatonin Reduktion der Plasma-Konzentrationen von Melatonin Schlafprobleme und gestörter Tag-Nacht-Zyklus
Konzentrationsschwierigkeiten und Depressionen
Erhöhte Infektanfälligkeit
Positive Folgen der Interaktion Mögliche Symptome
Vitamin D Wirksamkeitssteigerung
  • Verbesserung der Medikamententherapie
  • Heilung der Tuberkulose steigt
  • Anstieg der antimikrobiellen Immunität

Empfohlene Supplementierung

Arzneistoff Empfohlene Supplementierung Dosierung
Alle Vitamin D 2000–5000 I.E./d p.o.
Vitamin A 5000 I.E./d p.o.
Zink 15 mg/d p.o.
Isoniazid Vitamin B6 50–100 mg/d p.o.
Rifampicin Melatonin 1-5 mg/d p.o.

Besondere Einnahmehinweise

Einnahmemodus
Vitamin D Eine Kombination mit Calcium ist zu empfehlen. Statuskontrolle!
Niacin Eine Vitamin-B-Komplex-Supplementierung ist zu empfehlen.
Zink Kontrolle der Sehleistung bei Ethambutoleinnahme!
Zeitlich versetzte Einnahme von Ethambutol und Mineralstoffpräparaten ist notwendig.
Melatonin

Nicht vor Autofahrten oder Arbeiten an Maschinen verwenden. Bei der Einnahme von steroidhaltigen Medikamenten, SSRIs (Antidepressiva) und bei schweren Allergien sollte Melatonin nur in Ausnahmefällen und unter kontinuierlicher ärztlicher Kontrolle eingesetzt werden. Kontrainduziert bei Schwangerschaft, Stillzeit, Kinder, Epilepsie, Niereninsuffizienz, Leberfunktionseinschränkung.

Referenzen

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