Antiepileptika

Betroffene Wirkstoffe und Arzneimittel

Wirkstoffname Handelsname Betroffene Mikronährstoffe
Carbamazepin Tegretol, Neurotop Vitamin D
Folsäure
Biotin
Vitamin K
Vitamin E
Phenytoin Epilan- D
Phenobarbital In Österreich nur mehr als veterinäre Anwendung registriert.
Primidon Mysoline
Valproinsäure Convulex, Depakine
Lamotrigin Lamictal

Speziell betroffene Wirkstoffe und Arzneimittel

Wirkstoffname Handelsname Betroffene Mikronährstoffe
Carbamazepin Tegretol, Neurotop Melatonin
Valproinsäure Convulex, Depakine L-Carnitin
Phenobarbital, Primidon Mysoline Niacin
Phenytoin Epilan-D Folsäure
Phenytoin, Phenobarbital Epilan-D Vitamin B1

Mechanismus der Wechselwirkung

Mechanismus der Wechselwirkung
Vitamin D Antiepileptika steigern den Vitamin-D-Abbau in der Leber und die biliäre Ausscheidung. Weiters kann es bei Antiepileptikaeinnahme zu Störungen im Calciumstoffwechsel und der Knochenmineralisation kommen.
Folsäure

Die intestinale Folsäureresorption wird gestört und die intestinale Dekonjugation gehemmt. Es kommt zu einem erhöhten Katabolismus. Folsäure kann weniger aus der Nahrung aufgenommen werden. Primidon behindert die Umwandlung von Folsäure zu 5-Methyltetrahydrofolsäure, Lamotrigin wirkt schwach inhibierend auf die Dihydrofolatreduktase.

Bei Phenytoin ist besonders auf die Dosierung der Folsäure zu achten. Einerseits kommt es durch die Hemmung der Dekonjugase zu einem Folsäuremangel, andererseits kann es bei Folsäuregaben über 1 mg täglich den oxidativen Phenytoinabbau beschleunigen und somit eine Abschwächung der antiepileptischen Wirkung hervorrufen. In Studien zeigt sich die gleiche Problematik bei hohen Dosen Vitamin B6 (80–400 mg/d).

Thiamin Durch Mangelernährung und einen möglicherweisen erhöhten Abbau sowie eine erhöhte Metabolisierung in der Leber kommt es zu Thiamindefiziten. Der Thiaminmangel zeigt sich sehr häufig durch das Auftreten von Polyneuropathien. Diese treten bei allen Antiepileptika zu 50 % auf.
Biotin Die Resorption im Darm wird durch Antiepileptika verhindert. Carbamazepin und Primidon hemmen die Biotinresorption kompetitiv. Es kommt zu einem erhöhten Biotinkatabolismus. Biotin wird somit vermehrt durch den Harn ausgeschieden.
Vitamin K Hier sind besonders Schwangere und Neugeborene betroffen. Durch die Gabe von Antiepileptika kommt es zu einer Beschleunigung des Vitamin-K-Abbaus. Der weitgehend noch unerforschte Mechanismus wird in engen Zusammenhang mit Folsäure- und Biotinstoffwechsel gebracht.
Vitamin E Die antioxidativen Schutzmechanismen werden durch Antiepileptika eventuell gestört.
L-Carnitin Die renale Ausscheidung von L-Carnitin wird durch Esterbildung (Valproyl-Carnitin-Ester) der Valproinsäure erhöht. Weiters kommt es durch Coenzym-A-Bindung zu einer Blockierung der coenzymabhängigen Stoffwechselwege. Valproinsäure stört außerdem noch die zelluläre Carnitinaufnahme durch Hemmung der Carnitintransporter.
Nicotinamid Nicotinamid verringert durch Hemmung der CYP-P450-Enzyme eine Umwandlung von Primidon zu Phenobarbital.
Melatonin Die Einnahme von CYP1A2-Induktoren können zu einer Reduktion der Plasmakonzentration von Melatonin führen.

Folgen und mögliche Symptome der Wechselwirkung

Negative Folgen der Interaktion Mögliche Symptome
Vitamin D Abfall des Vitamin-D-Spiegels
  • Müdigkeit, Schwäche, Schlafstörungen
  • Infektanfälligkeit
  • Abnahme der Knochendichte, Rachitis, Osteopenie; bei Kindern: Rachitis mit Skelettdeformationen, Wirbelsäulendeformationen, Verzögerung des Milchzahndurchbruches
  • Kalzifizierung der Gefäße des Herz-Kreislauf-Systems, Herzmuskelschwäche
  • Anstieg der alkalischen Phosphatase im Blut, ungenügende Calcium- und Phosphatresorption
  • EKG-Veränderungen, tetanische Muskelspasmen (Pfötchenstellung von Händen und Füßen);
  • bei Kindern: erhöhte Schreckhaftigkeit und Reizbarkeit
  • Verminderte Insulinsekretion und erhöhtes Risiko für Typ-1-Diabetes
  • Fertilitätsstörungen
Folsäure Abfall des Folsäure-spiegels
  • Anorexie, Blässe, Depressionen, Schwäche, Vergesslichkeit
  • Risiko von Neuralrohrdefekten während der Schwangerschaft
  • Beeinträchtigung der Erythropoese und Entstehung einer perniziösen Anämie, Thrombozytopenie, Leukopenie, Hyperhomocysteinämie
  • Erhöhtes Schlaganfallrisiko durch Anstieg von Homocystein im Blut
  • Erhöhtes Risiko für Demenzerkrankungen und Polyneuropathien
  • Glossitis, Stomatitis, Schleimhautatrophie im GIT und Urogenitaltrakt
Thiamin Abfall des Vitamin- B1-Spiegels
  • Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit, Reizbarkeit, Schlaflosigkeit
  • Periphere Neuropathien, Schwäche, Müdigkeit, Fußbrennen
  • Anämie, Thrombozytopenie
  • Herzinsuffizienz, Tachykardie, Ödeme (Beriberi)
  • Polyneuropathien, Angiopathien
  • Wernicke-Encephalopathie (Augenmuskelparese, Ataxie, Psychosen, Kleinhirnatrophie)
Biotin Abfall des Biotinspiegels
  • Appetitlosigkeit, Schläfrigkeit, Schwäche
  • Trockene, schuppige Haut, seborrhoische Dermatitis
  • Keratokonjunktivitis
  • Haarausfall, trockene und brüchige Haare/Nägel
  • Muskelschmerzen, Parästhesien, Neuropathien
  • Anämie
Vitamin K Abfall des Vitamin-K-Spiegels
  • Synthese der Blutgerinnungsfaktoren wird gestört
  • Bei Neugeborenen Vitamin-K-Mangelblutungen
  • Störung des Knochenaufbaus, Abnahme der Knochendichte,
  • Osteoarthritis
  • Erhöhtes Knochenfrakturrisiko
Vitamin E Abfall des Vitamin- E-Spiegels
  • Zunahme der Anfallshäufigkeit
  • Erhöhte Anfälligkeit für radikalassoziierte Erkrankungen
  • Hämolyseneigung der Erythrozyten
  • Vorzeitige Hautalterung
  • Altersflecken und Lipofuszineinlagerungen Haarausfall
  • Neuro- und Myopathien
L-Carnitin Abfall des L-Carnitin-Spiegels
  • Verminderte Leistungsfähigkeit, rasches Ermüden
  • Erhöhte Infektanfälligkeit
  • Hyperinsulinämie, Hypoglykämie, Insulinresistenz
  • Fetteinlagerungen im Gewebe, erhöhte Blutfettwerte, Anstieg der Lipidperoxidation
  • Arrhythmien, Kardiomyopathien, Herzinsuffizienz
  • Wachstumsstörungen bei Kleinkindern
Melatonin Reduktion der Plasma-Konzentrationen von Melatonin Schlafprobleme und gestörter Tag-Nacht-Zyklus
Konzentrationsschwierigkeiten und Depressionen
Erhöhte Infektanfälligkeit
Positive Folgen der Interaktion Mögliche Symptome
Nicotinamid Verstärkung der antikonvulsiven Wirkung
  • Halbwertszeitverlängerung von Primidon
  • Steigerung des therapeutischen Index von Phenobarbital

Empfohlene Supplementierung

Arzneistoff Empfohlene Supplementierung Dosierung
Antiepileptika Vitamin D
Folsäure
Thiamin
Benfotiamin
Biotin
Vitamin K
Vitamin E
3000–5000 I.E./d p.o.
0,4–1 mg/d p.o.
10–50 mg/d p.o.
300–600 mg/d p.o.
0,5–5 mg/d p.o.
100–500 µg/d p.o.
500 I.E./d p.o.
Valproinsäure L-Carnitin 25–100 mg/kg KG/d p.o.
Phenobarbital, Primidon Nicotinamid 50–200 mg/d p.o.

Besondere Einnahmehinweise

Einnahmemodus
Folsäure Ein zeitlicher Abstand von mindestens zwei Stunden sollte zwischen Phenytoin und Folsäure liegen. Eine Kombination mit Vitamin B6 und B12 ist zu empfehlen.
Thiamin Für eine noch bessere Bioverfügbarkeit empfiehlt sich, Thiamin in seiner fettlöslichen Form Benfotiamin zu geben. Außerdem ist es sinnvoll, einen Vitamin-B-Komplex zu ergänzen.
Biotin Bei Langzeittherapie ist es sinnvoll, mit einem Vitamin-B-Komplex zu supplementieren.
Vitamin K Da Vitamin K auch wichtig für den Knochenstoffwechsel ist, ist es sinnvoll, weitere knochenwirksame Mineralstoffe wie Vitamin D, Calcium und Zink zu ergänzen.

Referenzen

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