Spirulina

Synonym(e): Spirulina platensis
Nährstoffgruppe: Pflanzliche Extrakte & Wirkstoffe, Algen

Vorkommen und physiologische Effekte

Vorkommen in der Nahrung
Im deutschsprachigen Raum ist Spirulina platentis hauptsächlich als Nahrungsergänzung erhältlich. Seit einigen Jahren wird in Deutschland auch Bier mit Spirulina angeboten. 
 
Physiologische Effekte
Antioxidans
  • Hemmung der Aktivität der NADPH-Oxidase und Förderung antioxidativer Schutzmechanismen
Herz-Kreislauf
  • Normalisierung der Blutfettwerte und der Glukosetoleranz

Besondere Informationen

Nutritive Effekte durch Spirulinainhaltsstoffe
Spirulina platensis ist eine grünblaue Mikroalge, die aufgrund ihres weiten Spektrums an nutritiven und pharmakologischen Komponenten in der Ernährungsmedizin und in der Naturheilkunde Einsatz findet. Neben einem ausgewogenen Spurenelement- und Aminosäurespektrum ist der hohe Gehalt an mehrfach ungesättigten Fettsäuren, insbesondere Gamma-Linolensäure (0,5 – 1 %), von Bedeutung (1). Zudem hat Spirulina mit 1,3 - 1,65 % Kalium einen weit höheren Kaliumanteil als andere Algen.

In Studien mit unterernährten Kindern konnte gezeigt werden, dass durch eine zweimonatige Supplementierung mit Spirulina sowohl Anämien als auch andere Parameter einer Unterernährung wesentlich schneller behoben werden konnten als bei gleichen Ernährungsinterventionen ohne Spirulina (2) (3).
Dies bestätigten Beobachtungen aus der Praxis und machten eine Spirulina-nahrungsergänzung zu einem wichtigen aufbauenden Instrument für die begleitende Behandlung von Unterernährung, Anorexia, bei kachektischen Patienten sowie in der Rekonvaleszenz.
 

Pharmakologische Komponenten in Spirulina
Neben Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen und sekundären Pflanzenstoffen finden sich in Spirulina platensis auch pharmakologisch bedeutsame Inhaltsstoffe wie Phenole und Phycocyanine. Von Bedeutung scheint ein spezielles Molekül, der Ca-Spirulankomplex zu sein, der im synergistischen Verbund mit den anderen Inhaltsstoffen für antibakterielle, entzündungshemmende und antiallergische Eigenschaften verantwortlich sein könnte (4) (5).
Das chromophore Phycocyanobilin, ein spirulinatypischer Inhaltsstoff, hemmt die Aktivität der NADPH-Oxidase und greift fördernd in die Prozesse antioxidativer Schutzsysteme ein. Da die Aktivierung der NADPH-Oxidase bei pathologischen Vorgängen in Geweben eine wichtige Rolle zu spielen scheint, kann Spirulina präventiv und begleitend therapeutisch bei einer Reihe von Erkrankungen eingesetzt werden (6).
 
Stärkung der Immunkompetenz durch Modulierung des Zytokinprofils
Spirulina platensis eignet sich zum therapeutischen Einsatz bei Immunschwächen, die sich in chronischen Erkrankungen oder wiederkehrenden Infekten äußern. In Studien konnte nachgewiesen werden, dass eine Supplementierung zu einer signifikanten Erhöhung der Interferonausschüttung und der Aktivität von natürlichen Killerzellen sowie T- und B-Zellen führt (7). Auch eine Stimulierung der Antikörper- und Zytokinproduktion ist belegt (8). Als besonders effektiv hat sich die Kombination von Spirulina mit Zink in diesem Indikationsrahmen erwiesen (9).
Im Tierversuch verbesserte sich die körpereigene Immunabwehr durch die Gabe von Spirulina und durch eine Kombination von Spirulina mit Selen (10).
Neue Untersuchungen bestätigen einen immunmodulierenden Effekt bei allergischer Rhinitis. Eine Substitution von 1000 – 2000 mg Spirulina für zwölf Wochen konnte bei betroffenen Patienten die Produktion des für allergische Reaktionen typischen Interleukin-4 signifikant reduzieren. Dies zeigt, dass Spirulina das Zytokinprofil bei allergischer Rhinitis positiv beeinflussen kann (11). Auch Symptome wie nasale Blockade, Niesen oder Juckreiz werden durch Spirulinagaben signifikant vermindert (12).
 
Spirulina und metabolisches Syndrom
Für einen anhaltenden Nutzen beim präventiven und begleitenden therapeutischen Einsatz von Spirulina bei Erkrankungen, die zum metabolischen Syndrom zählen, gibt es eine Reihe wissenschaftlicher Dokumentationen.
Bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 zeigte eine tägliche Aufnahme von 2000 mg Spirulina über zwei Monate eine nachhaltige Verbesserung der Glukoseregulation sowie signifikant gesenkte Lipid- und Triglyceridwerte. Dies bewirkt eine Reduzierung des atherogenen Risikos, das zu den Folgekomplikationen einer Diabeteserkrankung zählt (13). In einem weiteren klinischen Versuch mit gesunden Freiwilligen konnten durch eine sechswöchige Supplementierung mit 4,5 g Spirulina die Triglycerid- und Gesamtcholesterolwerte reduziert und der Anteil der günstigen HDL-Fraktion gesteigert werden. Zudem wurde die Prävalenz von erhöhten Blutdruckwerten bei den Teilnehmern gesenkt (14).
Es besteht außerdem ein korrigierender Einfluss von Spirulina auf die Vorgänge der Gerinnungskaskade und anderer immunopathologischer Prozesse bei arteriosklerotischen Veränderungen (15). Die antioxidativen Effekte des Phycocyanins unterstützen dabei wirkungsvoll die antiatherogenen Prozesse in den Gefäßen (16).
 
Qualitätsspirulina aus kontrolliert biologischem Anbau
Algen zeichnen sich durch ihre Aufnahmefähigkeit biochemischer Substanzen aus einem Nährmedium aus. Dies macht sie zum einen zu wichtigen Komponenten bei der Reinigung von verschmutzten Gewässern, zum anderen erhöht diese Eigenschaft das Risiko einer Belastung durch unerwünschte oder gefährliche Verbindungen in Algenpräparaten. Untersuchungen von Probenmaterial aus China zeigen hohe Werte für Schwermetalle (17) und/oder unerwünschte biologische Verbindungen (18), die besonders beim therapeutischen Einsatz zu schwerwiegenden Konsequenzen für die Gesundheit des Patienten führen können.

Labordiagnostik

Parameter Substrat Referenzwert Beschreibung
Schwermetalle Blut (Heparin) <4,0 Blei, Chrom, Kobalt, Molybdän, Nickel, Vanadium, Zink, Zinn
  Blut (EDTA)   Einzelparameter

Indikation

Effekt Indikation Dosierung
Physiologische Effekte
mit niedrigen
Nährstoffdosierungen
Begleitend therapeutisch bei Unterernährung, Anorexia, Kachexie und in der Rekonvaleszenz 2000 – 3000 mg/d
Zur generellen Erhöhung der Immunkompetenz
Präventiv und begleitend therapeutisch bei Allergien, insbesondere bei allergischer Rhinitis
2000 – 3000 mg/d
Präventiv und therapiebegleitend bei Erkrankungen des metabolisches Syndroms wie Diabetes mellitus, Hyperlipidämie, Hypertension und Arteriosklerose 2000 – 3000 mg/d

Einnahme

Allgemeiner Einnahmemodus
 
Wann
 
Spirulina sollte über den Tag verteilt zwischen den Mahlzeiten eingenommen werden.

Hinweis:
  • Spirulina weist einen natürlichen Jodgehalt von 200 bis 400 µg/100 g auf.
Nebenwirkungen
Nach aktuellem Kenntnisstand sind keine Nebenwirkungen bekannt.
Kontraindikationen
Nach aktuellem Kenntnisstand sind keine Kontraindikationen bekannt.

Interaktionen

Interaktionen mit Arzneimitteln
Keine Nach aktuellem Kenntnisstand sind keine relevanten Wechselwirkungen bekannt.
Interaktionen mit anderen Nährstoffen
Keine Nach aktuellem Kenntnisstand sind keine relevanten Wechselwirkungen bekannt.

Referenzen

Referenzen

1) Ötles, S., Pire, R. 2001. Fatty acid composition of Chlorella and Spirulina microalgae species. J AOAC Int. 84(6):1708-14.
2) Simpore, J. et al. 2005. Nutrition rehabilitation of HIV-infected and HIV-negative undernourished children utilizing spirulina. Ann Nutr Metab. 49(6):373-80. doi: 10.1159/000088889.
3) Matondo, F. K. et al. 2016. Spirulina Supplements Improved the Nutritional Status of Undernourished Children Quickly and Significantly: Experience from Kisantu, the Democratic Republic of the Congo. International Journal of Pediatrics. 1-5. doi: 10.1155/2016/1296414.
4) Chamorro, G. et al. 2002. Update on the pharmacology of Spirulina (Arthrospira), an unconventional food. Arch Latinoam Nutr. 52(3):232-40.
5) Chamorro, G. et al. 1996. Pharmacology and toxicology of Spirulina alga. Rev Invest Clin. 48(5):389-99.
6) McCarty, M. F. 2007. Clinical potential of Spirulina as a source of phycocyanobilin. J Med Food. 10(4):566-70. doi: 10.1089/jmf.2007.621.
7) Hirahashi, T. et al. 2002. Activation of the innate immune system by Spirulina: augmentation of interferon production and NK cytotoxicity by oral administration of hot water extract of Spirulina patensis. Int Immunopharmacol. 2(4):423-34. doi: 10.1016/S1567-5769(01)00166-7.
8) Blinkova, L. P. et al. 2001. Biological Activity of Spirulina. Zh Mikrobiol Epidemiol Immunobiol. (2):114-8. 
9) Wu, Q. et al. 2016. The antioxidant, immunomodulatory, and anti-inflammatory activities of Spirulina: An overview. Arch Toxicol. 90(8):1817-1840. doi: 10.1007/s00204-016-1744-5.
10) Trushina, E. N. et al. 2007. Influence of Spirulina and Selen-Spirulina on some indexes of rat's immune status. Vopr Pitan. 76(2):21-5.
11) Mao, T. K. et al. 2005. Effects of Spirulina-based supplements on cytokine production from allergic rhinitis patients. J Med Food. 8(1):27-30. doi: 10.1089/jmf.2005.8.27.
12) Cingi, C. et al. 2008. The effects of spirulina on allergic rhinitis. Eur Arch Otorhinolaryngol. 265(10):1219-1223. doi: 10.1007/s00405-008-0642-8.  
13) Parikh, P. et al. 2001. Role of Spirulina in the control of glycemia and lipidemia in type 2 diabetes mellitus. Med Food. 4(4):193-9. doi: 10.1089/10966200152744463.
14) Torres-Duran, P. V. et al. 2007. Antihyperlipemic and antihypertensive effects of Spirulina maxima in an open sample of Mexican population: a preliminary report. Lipids Health Dis. 6:33. doi: 10.1186/1476-511X-6-33.
15) Ionov, V. A., Basova, M. M. 2003. Use of blue-green micro-seaweed Spirulina platensis for the correction of lipid and hemostatic disturbances in patients with ischemic heart disease. Vopr Pitan. 72(6):28-31.
16) Riss, J. et al. 2007. Phycobiliprotein C-phycocyanin from Spirulina platensis is powerfully responsible for reducing oxidative stress and NADPH oxidase expression induced by an atherogenic diet in hamsters. J Agric Food Chem. 55(19):7962-7. doi: 10.1021/jf070529g.
17) Doshi, H. 2008. Bioaccumulation of heavy metals by green algae. Curr Microbiol. 56(3):246-55. doi: 10.1007/s00284-007-9070-z.
18) Jiang, Y. 2008. Detection of the hepatotoxic microcystins in 36 kinds of cyanobacteria Spirulina food products in China. Food Addit Contam. 25(7):885-94.

Referenzen Interaktionen

Stargrove, M. B. et al. Herb, Nutrient and Drug Interactions: Clinical Implications and Therapeutic Strategies, 1. Auflage. St. Louis, Missouri: Elsevier Health Sciences, 2008.
Gröber, U. Mikronährstoffe: Metabolic Tuning –Prävention –Therapie, 3. Auflage. Stuttgart: WVG Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 2011.
Gröber, U. Arzneimittel und Mikronährstoffe: Medikationsorientierte Supplementierung, 3. aktualisierte und erweiterte Auflage. Stuttgart: WVG Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 2014.

 

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