Selektive Serotonin- Wiederaufnahme Hemmer (SSRI)

Betroffene Wirkstoffe und Arzneimittel

Wirkstoffname Handelsname Betroffene Mikronährstoffe
Citalopram Cipralex, Pram, Seropram 5-HTP
Folsäure
Omega-3-Fettsäuren
Magnesium
Fluoxetin Felicium, Flux, Mutan
Paroxetin Ennos, Paroxat, Seroxat
Sertralin Ennos, Paroxat, Seroxat

Mechanismus der Wechselwirkung

Mechanismus der Wechselwirkung
Folsäure Ein zu niedriger Folsäurestatus beeinflusst die Responderrate auf SSRI. Die Umwandlung von Noradrenalin zu Adrenalin mittels N-Methyltransferase ist SAM-abhängig. Ein Folsäure- und ein oft damit einhergehender Vitamin-B12-Mangel stören diese Methylierung. Zusätzlich erhöht sich durch einen Folsäuremangel das neurotoxische Homocystein und die Depressionsentwicklung wird somit gefördert.
5-HTP CAVE: Bei gleichzeitiger Einnahme von 5-HTP und SSRI kommt es zu einer verstärkten Wirkung. Die Gefahr einer toxischen Serotoninkonzentration steigt erheblich (Serotoninsyndrom). Dies gilt auch für MAO-Hemmer.
Omega-3-Fettsäuren EPA/DHA spielen eine Rolle im Neurotransmitterstoffwechsel im ZNS. Beispielsweise haben sie Einfluss auf die Aufnahme und Reuptake von Dopamin und Serotonin. Ebenfalls steigern sie die Stabilität und die Fluidität der Nervenzellmembran.
Magnesium Der neuronale Energiestoffwechsel im ZNS wird durch Magnesium reguliert. Es beeinflusst die Serotoninverfügbarkeit aus L-Tryptophan und senkt die Stresshormonausschüttung. Magnesium stellt einen natürlichen NMDA-Rezeptorantagonisten dar.

Folgen und mögliche Symptome der Wechselwirkung

Negative Folgen der Interaktion  
Folsäure Abfall des Folsäurespiegels
  • Anorexie, Blässe, Depressionen, Schwäche, Vergesslichkeit
  • Risiko von Neuralrohrdefekten während der Schwangerschaft
  • Beeinträchtigung der Erythropoese und Entstehung einer perniziösen Anämie, Thrombozytopenie, Leukopenie, Hyperhomocysteinämie
  • Erhöhtes Schlaganfallrisiko durch Anstieg von Homocystein im Blut
  • Erhöhtes Risiko für Demenzerkrankungen und Polyneuropathien
  • Glossitis, Stomatitis, Schleimhautatrophie im GIT und Urogenitaltrakt
5-HTP Anstieg des Serotoninspiegels
  • Toxische Serotoninspiegel im Gehirn steigen
  • Starker Blutdruckanstieg
  • Unruhe steigt
  • Tremor
  • Koma
  • Schockgefahr
  • Hyperthermie
Positive Folgen der Interaktion Mögliche Symptome
Omega-3-Fettsäuren Unterstützende Wirkung
  • Bioverfügbarkeit von Serotonin steigt
  • Wirkung von Antidepressiva wird positiv unterstützt
  • Antidepressivabedarf sinkt
Magnesium Unterstützende Wirkung
  • Bioverfügbarkeit von Serotonin steigt
  • Wirkung von Antidepressiva wird positiv unterstützt
  • Antidepressivabedarf sinkt

Empfohlene Supplementierung

Arzneistoff Empfohlene Supplementierung Dosierung
SSRI Folsäure als Metafolin 1-2 mg/d p.o.
Omega-3-Fettsäuren (EPA/DHA) 2000 mg/d p.o.
Magnesium 500 mg/d p.o.

Besondere Einnahmehinweise

Einnahmemodus
Folsäure Unbedingt eine Kombination mit Vitamin B12 (1000–2000 µg/d p.o.) und Vitamin B6 empfehlen.

Referenzen

Referenzen

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Gertsik, L. et al. 2012. Omega-3 fatty acid augmentation of citalopram treatment for patients with major depressive disorder. J Clin Psychopharmacol. 32(1):61-4.

Gröber, U. Mikronährstoffe: Metabolic Tuning – Prävention – Therapie, 3. Auflage. Stuttgart: WVG Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 2011.

Gröber, U. Arzneimittel und Mikronährstoffe: Medikationsorientierte Supplementierung, 3. aktualisierte und erweiterte Auflage. Stuttgart: WVG Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 2014.

Stargrove, M. B. et al. Herb, Nutrient and Drug Interactions: Clinical Implications and Therapeutic Strategies, 1. Auflage. St. Louis, Missouri: Elsevier Health Sciences, 2008.

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