Bärlauch

Nährstoffgruppe: Pflanzliche Extrakte & Wirkstoffe

Vorkommen und physiologische Effekte

Vorkommen in der Nahrung

Im Frühjahr breitet sich Bärlauch teppichartig auf feuchten schattigen Böden Europas und Norda­siens aus. Die Blätter der wildwachsenden Pflanze werden als frisches Gewürz, als Pesto oder als Ge­müse roh verzehrt. Der typische Knoblauchgeruch hat zur Bezeichnung Waldknoblauch geführt. Bär­lauch (Allium ursinum) zählt botanisch zu den Lauchgewächsen (Allioideae) und ist mit Schnittlauch, Zwiebel und Knoblauch nahe verwandt. In manchen Regionen wird Bärlauch auch als wilder Lauch bezeichnet. In der englischen Sprache sind die Synonyme „wild garlic“ und „ramson“ gebräuchlich. Der knoblauchähnliche Geruch und Geschmack, der besonders beim Zerreiben der Blätter entsteht, ist auf das Vorhandensein schwefelhaltiger Gamma-Gluta­mylpeptide zurückzuführen. Dazu zählen u. a. die Cysteinsulfoxide Alliin, Methiin und Isoalliin sowie die instabilen Thiosulfate Allicin und Methylallylthiosulfat und die daraus entstehenden Ajoene.(1) Im Weiteren wurden in Bärlauch spezielle Phenole wie Kaempferol-Derivate und Flavonoidglykosi­de identifiziert(2), die vor allem antioxidative und antimikrobielle Eigenschaften aufweisen. Der hohe Adenosin-Gehalt(1) erweist sich als eine weitere Besonderheit des Bärlauchs, die für seinen thera­peutischen Einsatz von Bedeutung sein kann.

Physiologische Funktionen
Gefäße ACE hemmende Wirkung durch Gamma-Glutamyl-S-Allyl-Cystein und Anregung der NO-Synthese
Lipidstoffwechsel Gamma-Glutamylpeptide und Adenosin reduzieren das Gesamtcholesterin und erhöhen den HDL-Wert

Besondere Informationen

Blutdrucksenkung

Für den blutdrucksenkenden Effekt spielen die Gamma-Glutamylpeptide und das Adenosin eine wesentliche Rolle. Zum einen induzieren diese Verbindungen eine Hyperpolarisation der Zellmem­branen in der glatten Gefäßmuskulatur, was zur Vasodilatation und damit zur Blutdrucksenkung führt. Zum anderen ist eine ACE-hemmende Wirkung für einige im Bärlauch enthaltene Substanzen beschrieben, beispielsweise für Gamma-Glutamyl-S-Allyl-Cystein.(4)(5) Die ACE-Hemmung, also die Blockierung der Umwandlung von Angiotensin I in vasokonstriktorisches Angiotensin II, ist das pharmakologische Grundprinzip der medikamentösen Hypertonie-Behandlung. Bei spontan erhöhten Blutdruck­werten, aber auch bei genetisch bedingter Hypertonie, sank im Tierexperiment der systolische Wert nach der Gabe von standardisierten Bärlauch-Präparaten signifikant. (5) Bei Lungenhochdruck erzielten Bärlauch-Zubereitungen sogar ähnlich positive Effekte wie das Medikament Sildenafil, das u. a. zur Senkung des pulmonalen Gefäßwiderstands eingesetzt wird.(6)
 

Herz-Kreislauf-Prophylaxe

Bärlauch zeigt sich durch die nachgewiesene Senkung eines erhöhten Blutdrucks,(5) die günstige Wirkung auf die Blutzucker- und Cholesterinwerte (7) und die Effekte gegen unerwünschte Thrombozytenaggre­gation (2) sowie die Anregung der NO-Synthese (3), als wirkungsvolle Pflanze in der Primärprävention für kardiovaskuläre Ereignisse. Diese Effekte lassen sich unter anderem auf das in Bärlauch vertretene Adenosin zurückführen. Adenosin spielt als Neuromodulator eine Rolle bei der Regulation des Gefäßtonus und der Erhal­tung der Endothelintegrität. Das Nukleosid erhöht den Anteil des Second-Messenger-Moleküls cAMP (cyclisches Adenosinmonophosphat), welches an der Vasodilatation beteiligt ist. Auch schützt Adenosin die Endothelzelle vor oxidativen Verletzungen und kann ischämische Reperfusionsschä­den verhindern.(7)
 

Cholesterinsenkung und Entzündungshemmung

Bärlauch reduziert den Cho­lesteringesamtwert signifikant und erhöht gleichzeitig den HDL-Wert tendenziell. Die Effekte wur­den in vitro (8) und im Tierexperiment (3) nachgewiesen. Pharmakologische Untersuchungen belegen eine hemmende Wirkung des Bärlauchs auf 5-Lipoxygenase und Cyclooxygenasen, die an der Bil­dung von Entzündungsmediatoren beteiligt sind.(8) Die Fähigkeit der schwefelhaltigen Inhaltsstoffe zur Anregung der Phase-2-Entgiftungsenzyme (10) könnte u. a. die antikanzerogenen Eigenschaften von Bärlauch erklären.

Einnahme

Allgemeiner Einnahmemodus
 
Wann
 
Bärlauchpulver sollte immer mit viel Flüssigkeit verzehrt werden
Nebenwirkungen
Nach aktuellem Kenntnisstand sind keine Nebenwirkungen bekannt.
Kontraindikationen
Nach aktuellem Kenntnisstand sind keine Nebenwirkungen bekannt.

Referenzen

Referenzen

(1) Sobolewska, D. et al. 2015. Allium ursinum: botanical, phytochemical and pharmacological overview. Phytochem Rev. 14(1):81–97.
(2) Carotenuto, A. et al. 1996. The flavonoids of Allium ursinum. Phytochemistry. 41(2):531–6.
(3) Preuss, H. G. et al. 2001. Wild garlic has a greater effect than regular garlic on blood pressure and blood chemistries of rats. Int Urol Nephrol. 32(4):525–30.
(4) Shouk, R. et al. 2014. Mechanisms underlying the antihypertensive effects of garlic bioactives. Nutr Res. 34(2):106–15.
(5) Mohamadi, A. et al. 2000. Effects of wild versus cultivated garlic on blood pressure and other parameters in hypertensive rats. Heart Dis. 2(1):3–9.
(6) Bombicz, M. et al. 2017. A Novel Therapeu­tic Approach in the Treatment of Pulmonary Arterial Hypertension: Allium ursinum Liophylisate Alleviates Symptoms Comparably to Sildenafil. Int J Mol Sci. 18(7):1436.
(7) Rankovic, M. et al. 2021. New Insight Into the Cardioprotective Effects of Allium ursinum L. Extract Against Myocardial Ischemia-Reperfusion Injury. Front Physiol. 12:690696.
(8) Sendl, A. et al. 1992. Inhibition of cholesterol synthesis in vitro by extracts and isolated compounds prepared from garlic and wild garlic. Atherosclerosis. 94(1):79–85.

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